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Dezember 3, 2023

Vom dem Wissen, das nichts hilft

Ich mag die Geschichte von Nikodemus. Da kommt einer der frommen Juden zu Jesus und druckst herum, fragt, ohne eine richtige Frage zu stellen. Ja, was ist denn überhaupt seine Frage?

Diese Geschichte, die uns in Johannes 3 berichtet wird, hat einen tiefen Sinn. Jesus erklärt diesem Schriftgelehrten, der selber andere lehrt, frei heraus: Wenn du nicht von Neuem geboren bist, kannst du das Reich Gottes nicht sehen. Auf gut Deutsch: Wenn du nicht diese Erfahrung ganz persönlich gemacht hast, dass du durch das Wort Gottes und durch den Heiligen Geist ein neues Leben bekommen hast (dafür muss das alte übrigens zusammen mit Jesus sterben), dann kannst du zwar viel über das Reich Gottes wissen, aber du wirst es nicht sehen, es nicht erfahren – und der Knackpunkt ist: Du wirst nicht darin leben, daran gar nicht teilhaben. Du bist nicht drin, du bist draußen! Deine Ansammlung von Wissen darüber hilft dir überhaupt nicht, selbst wenn du andere sogar lehrst!
Überhaupt geht es im Königreich Gottes ja selten um Wissen. Es geht vielmehr darum, dass sich all diese Dinge geistlich in uns vollziehen. Dass der Heilige Geist all diese Prozesse in uns vollziehen darf.

Übrigens: Die Bibel redet selten von ‚geistig‘ – sie redet fast immer von ‚geistlich‘. Was der Unterschied ist? Ganz einfach: In der deutschen Sprache bezeichnet ‚geistig‘ unsere mentale Fähigkeit, also unser verstandesmäßiges Denken. ‚Geistlich‘ meint im Sprachgebrauch der Bibel dagegen all das, was der Heilige Geist tut, und was demzufolge wir nicht selber tun können. Wenn eine Bibelausgabe überall dort, wo im griechischen Text ‚pneuma‘ (Geist) steht, auf eine Weise übersetzt, dass der Leser denken muss, es sei unser Verstand gemeint, der Wissen und Bildung ansammelt, dann ist das schlicht eine falsche Übersetzung.

Was wir tun, ist immer ‚menschlich‘. Als Menschen können wir nichts Geistliches hervorbringen und dazu fordert uns die Bibel auch gar nicht auf! Gott weiß genau, dass wir aus uns heraus nicht lieben können wie er, nicht Frieden halten können mit unseren Feinden, dass wir aus unserer Anstrengung heraus nicht „Friede, Freude, Sanftmut, Geduld und Selbstbeherrschung“ hervorbringen können, egal wie viel wir darüber wissen, egal wie sehr wir uns anstrengen, es zu tun. Und das erwartet er auch gar nicht!

Natürlich können wir an uns arbeiten (das tun schließlich auch die Esoteriker und Buddhisten), aber die Wurzel des Übels in uns können wir nicht beheben, und deshalb werden wir aus uns heraus niemals wahrhaft gut, friedvoll, sanft oder was auch immer sein. Dafür braucht es das Wirken des Heiligen Geistes, der dies in uns hervorbringt, und deshalb schreibt Paulus in Galater 5 von der „Frucht des Geistes“.
Zuerst geht es um die „Werke des Fleisches“, also all das, was wir aus unserer unerlösten ‚alten Natur‘ selber produzieren, und das ist alles völlig von der Sünde verdorben (Gal 5,16ff). Es sind Werke, es ist, was wir tun. Anschließend beschreibt er den Gegensatz dazu, und erstaunlicherweise sind es nicht ‚gute Werke‘, sondern etwas ganz anderes: die Frucht des Geistes (Gal 5,22f).
Kann man Frucht ‚tun‘? Witzige Vorstellung – nein, natürlich nicht! Frucht wird nicht getan, sie wächst, und in diesem Zusammenhang wird klar: Die Frucht des Geistes wächst dann in uns heran, wenn der Heilige Geist in uns wohnt. Andernfalls kann diese Frucht nicht wachsen, denn es ist nicht die Frucht des Menschen, sondern die Frucht des Geistes. So schließt Paulus seine Abhandlung mit der Aufforderung in Vers 25: Wenn wir durch den Heiligen Geist ein neues Leben erhalten haben, dann lasst uns auch in diesem Heiligen Geist leben!

Zurück zu Nikodemus. Als Experte für das mosaische Gesetz wusste er genau, was er zu tun hatte. Aber Jesus konfrontiert ihn genau damit, dass man nicht durch das Tun von Werken in das Reich Gottes hineinkommen kann, sondern ganz ausschließlich dadurch, dass man in dieses Reich hineingeboren wird. Es ist eine geistliche Neugeburt, die durch den Glauben an das, was Jesus in seinem Tod und seiner Auferstehung für uns getan hat, geschieht. Wir glauben an Jesus. Nicht nur durch, über, wegen oder aufgrund, sondern an Jesus, den Erlöser. Wir erkennen ihn als den lebendigen Gott, der Menschengestalt annahm, um dieses gleichzeitig menschliche und göttliche Opfer zu werden – denn das war die Voraussetzung für diesen Vermittlerjob: beiden Seiten gerecht werden, zu beiden Seiten ganz dazuzugehören. Es geht hier um nicht weniger als Familienzugehörigkeit. Um von unserer Natur her zu Gottes Familie zu gehören, müssen wir in ihr geboren werden, so wie ein Adeliger nur dann echt adelig ist, wenn er als solcher geboren wird. Das ist es, was in der ‚Wiedergeburt‘ geschieht, über die Jesus hier mit Nikodemus spricht. Anspruchsvoll.

Noch einmal: Es geht nicht um Wissen oder Bildung, und es geht nicht um unser Tun, wenn wir davon sprechen, zu Gottes Königreich dazuzugehören. Nikodemus war hochgebildet, er lehrte andere über die Bibel, aber er war nicht in der Lage, Jesus in diesen einfachsten, grundlegenden Dingen zu folgen. Jesus sprach über eine Dimension, die Nikodemus nicht kannte, weil er ihr nicht angehörte. So kann es uns auch gehen.

Vielleicht hast du die Geschichte von Nikodemus in Johannes 3 schon einmal ganz gelesen. So, wie das Volk Israel in der Wüste ihren Blick hochheben sollte zu der ehernen Schlange, so sollte Nikodemus (und jeder von uns) seinen Blick hochheben zu Jesus am Kreuz (mit oder ohne Querbalken – als wäre das von Bedeutung…). Stell dir vor, du wärest gerade von einer giftigen Schlange gebissen worden und weißt, du hast nicht mehr viel Zeit. Die Hilfe muss schnell kommen, sonst überlebst du nicht. Und dann kommt jemand und sagt zu dir: Ich habe eine Schlange aus Eisen gemacht. Gott sagt, du überlebst, wenn du sie anschaust. – Skurril, oder? Was die Leute damals brauchten, war Glaube! Sie sollten dem glauben, was Gott sagte. Wer diesem Wort glaubte, der schaute zur Eisenschlange – und wurde gerettet.
Jesus sagt zu uns: Schau auf mich, auf den für dich Gekreuzigten. – Auch skurril, oder? Das werden wir nur tun, wenn wir dem glauben, was Gott sagt. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet…“ (Joh 3,16-17 ELB). Wer an ihn, an Jesus glaubt, ist ‚drin‘.

An diesem Tag war Nikodemus offensichtlich überfordert mit dem, was Jesus ihm zu sagen versuchte. Aber später im Neuen Testament sehen wir, dass Nikodemus offensichtlich an Jesus glaubte, d.h. er hatte den Weg hinein in das Königreich Gottes gefunden.

Es ist nicht unser Wissen und es sind nicht unsere Werke. Es ist unser ganz persönlicher Glaube an Jesus Christus als unseren persönlichen Erretter von unserer ganz persönlichen Schuld, der uns in Gottes Reich hineinbringt. In einer der vielen Streitdiskussionen, die Jesus mit den Schriftgelehrten geführt hat, wirft er ihnen vor: „Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr ⟨auch⟩ nicht hineingehen.“ (Mt 13,23 ELB)

Jesus hat sein Königreich den Menschen angeboten und klargemacht: Diese Einladung gilt für alle – für Juden und Heiden, für Männer und Frauen und was immer die Unterscheidungen sein mögen, und für alle Generationen, bis er sichtbar auf diese Erde wiederkommt. Der ‚Eingang‘ öffnet sich durch Glauben. Es ist das Reich Gottes, das Königreich Jesu, das Reich der Himmel. Ein anderes gibt es nicht! Die Aufgabe der Schriftkundigen ist es, genau dies den Menschen zu predigen, sie in dieses Reich Gottes hinein einzuladen, ihnen den Weg des Glaubens zu zeigen, damit sie eintreten können – ja, damit sie geistlich hineingeboren werden. Wer anderen diesen Zugang verwehrt, ist wohl selber nicht eingetreten, weiß wohl bei allem Wissen selber gar nicht, wovon Jesus überhaupt redet. Wäre auch nicht das erste Mal, so ging es ja schon Nikodemus.

Autorin: Heidi J.

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